«Lebändegi Tradition»

Lebendige Tradition im Naturpark Diemtigtal: Die Simmentaler Zimmermannskunst

Rahel Mazenauer, Marketing & Kommunikation

Rund 200 Jahre liegen zwischen der Entstehung der Schnitzereien des Bodenhauses in Zwischenflüh und denjenigen des kürzlich gebauten Hauses der Familie Mani in Entschwil. Vieles hat sich seither geändert, vieles wurde auf eindrückliche Art an die nächsten Generationen weitergegeben und so für die Gegenwart erhalten.

Dank seiner landschaftlichen Einzigartigkeit und Schönheit, dem reichen Vorkommen hoher Naturwerte aber auch dank der gepflegten Baukunst und -Kultur, trägt das Diemtigtal seit 2011 das Bundeslabel «Regionaler Naturpark – Landschaft von nationaler Bedeutung».

In einer intakten und reizvollen Landschaft, mit seiner traditionellen Streusiedlungskultur, zusammen mit den schmucken Häusern und Gebäudegruppen bietet das Diemtigtal einen grossen Reichtum an sorgfältig gepflegter und lebendiger Baukultur.

Die prächtigen, alten Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert prägen das Diemtigtal. Jedes Objekt hat seine eigene Geschichte. Die traditionelle Bauweise, zum Teil aus dem 16. Jahrhundert, wird heute noch bei Neubauten im Chaletstil angewendet. 

In Anerkennung daran verlieh der Schweizer Heimatschutz der Gemeinde Diemtigen 1986 den Wakkerpreis. Zudem wird die Simmentaler Zimmermannskunst in der Kategorie «Fachwissen über traditionelle Handwerkstechniken» seit kurzem auf der Liste der lebendigen Traditionen des Kantons Bern geführt.

Lebendige Traditionen in den Naturpärken
Das Motto der lebendigen Traditionen nahm auch der diesjährige Pärkemarkt auf dem Bundesplatz in Bern auf. Der Naturpark Diemtigtal präsentierte sich zusammen mit den zwei Diemtigtaler Fachleuten für die Simmentaler Zimmermannskunst, Hans-Peter Meyer und Ruedi Wyss, und beantwortete anhand der hier vorgestellten Bilder Fragen rund um die Simmentaler Zimmermannskunst. Was sind die grundlegenden Elemente eines traditionellen Simmentaler Hauses? Wie kam es vor so vielen Jahren zu so prachtvollen Häusern? Wie konnten sich die Leute in den Bergtälern so reich verzierte Bauten überhaupt leisten? Was für Geschichten stecken hinter dem Bodenhaus, das seit 1785 in Zwischenflüh steht? Wie lebt es sich heute in diesen alten Häusern? Was ist bei Neubauten in traditioneller Bauweise grundlegend anders als bei Bauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert? Und schlussendlich, wie wird die regionale Kunst an die nächste Generation weitergegeben? 

Lass die untenstehende Bildstrecke auf dich wirken. Die drei Diemtigtaler Häuser beantworten die Fragen weitgehend selbst:

  • Das Bodenhaus in Zwischenflüh wurde 1785 erbaut, vermutlich von Christian Klossner und seiner Frau Elisabeth Knutti. Als Zimmermeister zeichnet ein H. M. (Hans Messerli). Es weist eine breite, asymmetrische Fassade auf. Die Asymmetrie und der sich nach oben steigernde Zimmermannsschmuck mit dem deutlichen Vorkrag der Giebelwand verleihen der Fassade Spannung. Gezackter Bug auf der Westseite und teilweise alte Sprosseneinteilung der Gaden- und Giebelfenster. Ausgebaut 2015 (Quelle: Faltflyer Diemtigtaler Hausweg).
  • Wohnen im schützenswerten Haus: Der ehemals imposante Abzug der Rauchküche wird heute als Badezimmer und Treppenhaus benützt.
  • Der grosse Einbauschrank wurde schon 1785 beim ursprünglichen Hausbau eingebaut. 
  • Die symmetrische Fassade des Wohnhauses der Familie Mani. Das Haus in Entschwil wurde vor einigen Jahren im traditionellen Simmentaler Stil gebaut. 
  • Gleich daneben befindet sich das Wohnhaus der Familie Stucki. Die Fassade lässt von aussen nicht erahnen, welche lichtdurchfluteten Räume sich dahinter befinden. 

Neu aufgearbeiteter Hausweg-Prospekt
​​​​​​​Im Zuge des Projekts «lebendige Traditionen» wurde im Naturpark Diemtigtal in Zusammenarbeit mit dem Berner Heimatschutz Regionalgruppe Thun Kandertal Simmental Saanen der Prospekt «Diemtigtaler Hausweg» überarbeitet. Der Inhalt wurde zusammen mit Hans-Peter Meyer und Wilhelm Stucki überprüft, Martin Wymann fotografierte während eines ganzen Sommers sämtliche Häuser neu. Die Anpassung an das Erscheinungsbild des Simmentaler und Obersimmentaler Hausweges gab dem Prospekt ein völlig neues Erscheinungsbild. Der > Prospekt «Diemtigtaler Hausweg» ist auf der Geschäftsstelle des Naturparks Diemtigtal in Oey erhältlich. Ihr dürft euch auf einen spannenden neuen, alten Hausweg-Prospekt freuen.